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Kapelle
im ehem. Altenheim DEUTENHOFEN b.Hebertshausen
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Schloss,
Krankenhaus, Altenheim, Flüchtlingsheim
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Beschreibung
Das frühere Schloss
Deutenhofen, ein dreigeschossiger Bau mit Achteckturm, wurde in
der Zeit von 1970-2012 als Altenheim genutzt.
Im Gebäude war für die Bewohner des Altenheims eine Kapelle
eingerichtet, in der regelmäßig katholische und evangelische
Gottesdienste stattfanden; dazu waren auch die Bewohner der Umgebung
eingeladen.
Ehem.Schloss
Das Schloss Deutenhofen
bestand schon in der Zeit um 930. 07)
Im Jahr 1341 war Ritter Ulrich Gruber der Besitzer. Später
wurde es Sitz der Hofmark Tewtenhofen.
Seine jetzige Gestalt erhielt das Gebäude wohl im 16.Jh, als
die Familie Reitmor (Reitmayer) "das Schloss schön zuegricht
und zierlich erbauet" hat, wie es in Urkunden heißt.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde es schon zu Beginn des
Schwedeneinfalls, im Jahr 1632, durch den schwedischen Heerführer
Bernhard von Weimar (1604-1639) zerstört. Nur die Schlosskapelle
war "unverletzt geblieben" 01) .
Nach dem Krieg haben es die Freiherrn Mandl wieder auf- und sogar
ausgebaut.
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Besitzer
des Schlosses waren
- die Herren von Weichs (um 1350),
- die Pütrich (bis 1510),
- die Familie Reitmor (1510-1616),
- Veit Theimer (1616-1625),
- die Freiherren von Mandl von und zu Deutenhofen (1625-1825),
- die Grafen von Spreti (1834-Ende 19.Jh)
- Charles Plavin, "Emigrant aus Irkutsk" (1929-1931) 07)
- Leopold Fasthuber (1931-1932) 08)
- Selma von Kirchbach (ab 1932, später von den Nazis enteignet)
07)
- danach Zweigstelle der "N.S. Volkswohlfahrt" 07)
Mehr über die mittelalterlichen Herrschaftsverhältnisse
in Deutenhofen finden Sie im Oberbayerischen
Archiv für vaterländische Geschichte
von 1844.. klicken Sie hier... |

aus der Landkarte v.Apian 1568
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Nach dem 2.Weltkrieg waren Besitzer oder Nutzer des Schlosses:
- das Bayerische Rote Kreuz (bis 2012- als Hilfskrankenhaus und Altenheim)
und
- der Landkreis Dachau (2012-2014).
- Seit 2014 befindet sich das Schloss in Privatbesitz. Es ist zum Teil an
den Verein "Haus des Lebens" vermietet. Der Verein
betreut schwangere Frauen und Mütter mit ihren Kindern,
die sich in einer problematischen Lebenssituation befinden.
Seit 2013 sind im anderen Teil des Gebäudes Flüchtlinge
untergebracht.
Kapelle
Die kleine Kapelle im alten Schlosstrakt ist ein schlichter, weiß
gestrichener Raum mit Gewölbedecke.
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Hinter dem kleinen Altar ist
eine Marienstatue angebracht.
Maria steht auf der Weltkugel mit einer Mondsichel, die von einer
Schlange als dem Sinnbild des Bösen umschlungen wird.
Rechts hängt an der Wand
der hölzerne Tabernakel,
verziert mit Getreideähren und Weintrauben als Hinweis auf
Leib und Blut Christi.
Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die Bezeich-nung
führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose,
die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war.
Holz- Tabernakel
in der Kapelle
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Der Tabernakel dient
bereits seit früh-christlicher Zeit zur Aufbewahrung
verwandelter Hostien für die Sterben-den. Seit dem hohen
Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Vereh-rung
Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der
Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe
der Jahrhunderte häufig.
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Das Tridentinische Konzil (1545-63)
ordnete die Auf-stellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch
diese Vorschrift
wurde in Deutschland, wo man lange daran |
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festhielt, die heiligen Hostien in
Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18.
Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) lässt dies
wieder zu. Deshalb werden in modernen Kirchen Tabernakel häufig in
die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
Ehemalige
Schlosskapelle Deutenhofen
Früher befand
sich im Schlosstrakt auch eine Schlosskapelle.
Nach der
Beschreibung im Oberbayerischen Archiv für vaterländische Geschichte
1844 waren im Jahre 1632 "das Schloss und die Hofmark Deutenhofen
vom Herzog Bernhard zu Sachsen-Weimar abgebrannt, vom damaligen Besitzer
aber Dr. Johann Mandl, churfürstl. Hofkämmerrath und nachhin
Präsidenten wieder auferbauet worden".
Nur die Schlosskapelle war unverletzt geblieben. 06)
Robert
Böck hat dazu in seinem Buch "Wallfahrt im Dachauer Land"
09)
den Originaltext aus dem Kurbayerischen Geistlichen Calender veröffentlicht:
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"Über
Deutenhofen berichtet der Chur Bayrisch Geistliche Calender Zimmermanns:
Anno 1632 ist dises Schloß von Hertzog Bernhard Sachsen-Weymar sambt
der Hofmarch gäntzlich abgebränt worden, wobey sich dise merckliche
Schickung-Gottes begeben, daß ob schon der gantze Schlos-Bau verbrunnen,
jedoch die Capell darinnen sambt aller Zugehör gantz unverletzt gebliben;
dero Schutz unter dem Titel der Hochheiligisten Dreyfaltigkeit, und
Glorwürdige Crönung der Himmels-Königin schon dazumahl gewesen."
Ihr Altar fand wahrscheinlich in der nahe beim Schloß gelegenen Wegkapelle
Aufstellung. |
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In der Statistischen
Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus
dem Jahr 1874 heißt es:
Schloss
Deutenhofen um 1700
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"Von der Schloß-Capelle
in Deutenhofen an der Straße von Hohenkammer nach Dachau
kann das Erbauungsjahr nicht angegeben werden, jedenfalls ist es vor
1632. Denn in diesem Jahr hat Herzog Bernhard zu Sachsen-Weimar (mit
den Schweden) Schloss und Hofmark niedergebrannt, wobei nur die einzige
Schloß-Capelle unversehrt blieb. Noch jetzt zeigt man in selber
das Bildniß der hh.Dreifaltigkeit u. Mariä Krönung,
welches die Flammen ebenso wie alle Paramente verschont ließen.
Ein ausgeprägter Stil ist nicht vorhanden. Die Baupflicht hat
der Schloßbesitzer, derzeit (=1874) Herr Graf Spreti.
Sie ist nicht consecriert (geweiht). Zur Zeit der Schmid'schen
Martrikel (=1738) wurde schon selten dort super portatile (über
einem tragbaren Altarstein) celebrirt, jetzt (=1874) längst
gar nicht mehr. Pfarrer Anton Dalmayr sagt in seinem Berichte vom
14.11.1817, es sei seit 26 Jahren nur 1mal auf Begehrten der Baron
v.Mandl'schen Herrschaft u.zwar an einem Werktage eine hl.Messe gelesen
worden, und setzt bei: 'Es ist an Feiertagen nur ein Personalprivilegium
für diese Familie darauf, das mit der letzten Linie exspirirt.
Die Kapelle hatte einen Altar; Patron war die Allerheiligste Dreifaltigkeit
und Mariä Krönung. Ein Patrocinium wird nicht gefeiert".
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Beschreibung
1895 05)
Auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale Bayern, das 1895 Prof. von
Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums
erstellten, finden sich einige Bemerkungen über die damalige Schlosskapelle
in Deutenhofen. Dort ist zu lesen:
"Die Schlosskapelle ist ein adaptirtes Zimmer.
1653 wurde die Kapelle restaurirt; aus dieser Zeit
stammen wohl die Stuckaturen der Decke.
Das bei Mayer erwähnte auf Holz gemalte Bild
der Krönung Maria, wohl aus der Zeit um 1600, verschont beim Brande
des
Schlosses 1632; unbedeutend."
Hans Schertl
Quellen:
01) Johann Nepomuk Buchinger,
Geschichtliche Nachrichten über die ehemalige Grafschaft und das
Landgericht Dachau,1844 02) Mayer-Westermayer, Statistische
Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
03)Schlossbeschreibung von Landrat Dr.Pestenhofer,
Mai 1971
04) Werner Meyer, Burgen in Oberbayern,
Würzburg 1986
05)
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs
Bayern, 1895
06) Oberbayerisches
Archiv für vaterländische Geschichte, herausgegeben v.historischen
Verein von und für Obb.-1844
07)
Thomas
Schlichenmayer, Deutenhofens fidele Domestiken, "Historische Zeitreise",
Beilage der Dachauer Nachrichten
vom 31.7.2023
08)
Leopold Fasthuber, geb. 12.11.1900
am Mayrhof in Eggerding, Vater: Anton Fasthuber, Maurer und Hausbesitzer
Mutter: Katharina Mayer, eheliche Tochter des
Jakob Mayer, und der Helena, geb. Guppenberger
09)
Robert
Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, 1991
6 Bilder: Hans Schertl

18.4.2022
Deutenhofen
Beschreibung im
Oberbayerischen Archiv für vaterländische Geschichte
vom Historischen Verein Oberbayerns 1844 06)
Deutenhofen (Tetinhova) im Landgerichte
Dachau links der Amper ohnfern des Einflußes der Würm, bestehnd
schon um das Jahr 775 und unter Bischof Atto erhielt das Hochstift Freysing
Güter daselbst. Urkundlich erscheint der alte Ort vom XV. Jahrhunderte
an als Edelsitz und Sedelhof dann als Hofmark. Vor dem Jahr 1457 besaß
den Sedelhof und Sitz nebst zugehöriger Sölde, Aengern und Baumgärten
frey eigenthümlich der Bürger zu München, Hanns Pütrich.
In genanntem Jahre aber trug er diese Realitäten zugleich mit dem
Kirchensatz, Gericht und Vogtey am Widdum zu Engelhartshofen und den dorthin
gehörigen eigenen Leuten dem Herzog Albrecht III. zu Lehen auf. Wegen
gewisser Gilten zu Deutenhofen, wobei das St.Wolfgang Gotteshaus in der
Gschwindach, die Santizeller, Jobst und Niklas, und Sigmund von Fraunberg
zum Hag betheiligt waren, erfolgte i.J. 1482 Freytags nach Anthoni (18.Jänner)
zu Landhut ein Hofgerichts-Spruch, welchen als Räthe Ulrich von Praitenstein,
Friedrich Maurkircher (Erwählter des Stifts Passau), Kanzler, Johann
von der Layter, Herr zu Bern (Verona) und Vicenza, Herr Marquard von Schellenberg,
Ludwig Pfrager, Pfarrer von St.Martin in Landshut, Johann Löflholz
Lizential und Karl Kargl Stadtrichter zu Landshut fällten.
In Folge der an die bayerischen
Herzoge übertragenen Lehenherrlichkeit über Deutenhofen mit
Zugehörung belehnte Herzog Wolfang als Vormünder des Herzogs
Wilhelm IV. den Hanns Pütrich
und seinen Bruder Jakob, Rentmeister zu Burghausen, mit dem Sitz und Sedel
zu Deutenhofen im Jahre 1509. Beyde wurden aber zugleich über zwei
Theile Zehent zu Moching und Rudelzhofen, die Taferne zu Pasing, die Mühle
dortselbsst und Vogtey aus zwei Gütern, ein Haus zu Menzing und zwey
Theile Zehend aus etlichen Gütern dortselbst, ein Haus zu Pachern
samt Holz und die Taferne zu Varenzhausen belehnt.
Den Pütrich
folgten die Reitmor im Lehen-Sitz Deutenhofen mit Zugehörung. Zuvörderst
erhielt Andreas Reitmor die Belehnung hierüber und i.J. 1547 reversirte
sein Sohn, Jörg Reitmor an Herzog Wilhelm über den nemlichen
Sitz, den i.J. 1582 sein Sohn Matheus, Inwohner zu Regensburg, lehenweise
erhielt, und der in gleicher Weise an des letztern Söhne Matheus
und Andreas durch des Herzogs Maximilian I. Verleihung i.J. 1606 übergieng,
von diesen aber durch lehenherrlich genehmigten Verkauf dem Veit Tanner,
Burgermeister zu Freysing, zu Theil wurde, der auch hierüber im Jahre
1616, in welchem der Verkauf geschah, seinen Revers ausfertigte. Der nehmliche
verkaufte aber gedachtes Lehen schon 1625 an seinen Schwager, Dr.Johann
Mandl, churfürstl. Hofkammerath, von dem es i.J. 1667 an seinen Sohn
Georg Mandl, Freyherrn von und zu Deutenhofen auf Rinenthal, Harthausen
und Sigling durch Belehnung des Churfürstens Ferdinand Maria überging
und der es noch nach dieses Churfürstens Tod besaß (Urkundlich).
Bald nachhin
muß das Lehen an Franz Anton v.Lerchenfeld verliehen worden seyn
und dieser wird durch Ehebündnisse in Verwandtschaft mit den von
Freyberg gestanden seyn; den Beweis gibt ein Revers an Churfürst
Max Emanuel vom Jahre 1721 über den Sitz Deutenhofen für die
drei minderjährigen Grafen, Franz Corbinian Joseph, Karl Aloys Adam
und Franz Xaver von Seyboltstorf, Enkel der Frau Maria Katharina Freyin
von Freyberg, nachdem dieses Lehen durch das ohne Leibeserben erfolgte
Hinscheiden des vorgedachten Franz Anton v.Lerchenfeld offen geworden
ist. Im Revers kommt namentlich vor: Franz Adam Freyherr von Freyberg
auf Spitzenberg, churfürstl. Kämmerer und Revisionsraths Director.
Vom Jahre
1727 angefangen erscheinen wieder die Freyherrn von Mandl als Lehenbesitzer
von Deutenhofen, und zwar 1727 Johann Marquard Mandl Freyherr zu Deutenhofen
und sein Onkel, Johan Thadeus Nicolaus Mandl, Freyherr von Deutenhofen,
churfftl. Oberster und Pfleger zu Vilsbiburg als Bruder des in den Augustiner
Orden getretenen Joh.Marquard Anton v. Mandl und des Joh.Franz Joseph
Mandl, des Vaters des erstgenannten Joh. Marquard Mandl, 1734, Johann
Thadeus Niklas Mandl nach seines Vettern Joh. Marquard lehenerblosen Tod,
1744. Johann Franz Nonos Adam Mandl, Freyherr zu Deutenhofen und sein
Bruder Johann Ignatz Adam, beide Vettern des Thadeus Niklas Mandl, und
1747 die nähmlichen Gebrüder beym Hauplehenfall nach des Churfürstens
und Kaiser Karl Albrecht Tod. (Urkundlich).
Im Jahre
1632 waren Schloß und Hofmark Deutenhofen vom Herzog Bernhard zu
Sachsen-Weimar abgebrannt, vom damaligen Besitzer aber Dr. Johann Mandl,
churfürstl. Hofkämmerrath und nachhin Präsidenten wieder
auferbauet worden. Nur die Schloßkapelle war unverletzt geblieben.
Der Ort ist dermal ein Patrimonialgericht II. Klasse und gehört zur
Gemeine und Pfarr Hebertshausen.
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