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Evangelische Gnadenkirche in Dachau-Ost

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür

85221 Dachau, Anton-Günther-Str. 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...
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alle Kirchen und Kapellen in der Stadt Dachau


Kurzbeschreibung

Die Gnadenkirche mit ihrem charakteristischen Spitzturm liegt in Dachau-Ost.

Ihre Geschichte begann im ehem. KZ Dachau. Nach Kriegsende hatten die US-Streitkräfte dort Angehörige der NSDAP und der SS interniert. Als die Dachauer Prozesse im Jahr 1948 abgeschlossen waren, ging das Lager in die Verwaltung der bayerischen Behörden über. Nun wurden dort in 34 Baracken bis zu 2300 Flüchtlinge und Heimatvertriebene untergebracht, die bis dahin in umliegenden Dörfern lebten oder im berüchtigten Massenlager "Dulag" in der Waldschwaige hausen mussten. Fast die Hälfte dieser Personen war evangelisch.

Zu deren seelsorgerischer Betreuung wurde 1952 eine Kirche (aus Fertigteilen) gebaut - unweit der heutigen Versöhnungskirche. Sie hatte schon den Namen Gnadenkirche erhalten. Bei der Einweihung predigte Pfarrer Ernst Daum: "Dieser Ort soll eine bleibende Zufluchts-stätte zur Gnade werden. Flüchtlinge wissen, was es heißt, keine Zuflucht zu haben, vor gnadenlosen Peinigern fliehen zu müssen, von gnadenlosen Herren vertrieben zu werden. Flüchtlinge haben darum auch ein besonderes Ohre für das Wort: Bei dem Herrn ist die Gnade. Er, der Gewalt hat über Zeit und Ewigkeit, über Seligkeit und Verdammnis, er wandelt diese Gewalt um in Güte und Gnade.

Des zum sichtbaren Ausdruck wächst dieses Gotteshaus aus der Erde. Wie könnten wir ihm einen anderen Namen geben als den Namen "Gnadenkirche" .

......Mehr über die Kirchenbauten im Lager erfahren Sie auf einer gesonderten Seite.


Vorgängerkirche im Flüchtlingslager auf dem KZ-Gelände
(bis 1963)

Ab 1960 wurde das Flüchtlingslager, in dem nach H.G.Richardi allgemeine Unzufriedenheit und gefährlicher Anarchismus herrschte, aufgelöst. Das ehemalige Konzentrationslager wurde allmählich in den Zustand vor 1945 zurückversetzt: nach dem Auszug der letzten Flüchtling hat man die Gedenkstätte eingerichtet. Der Schriftsteller Egon Herrmann hatte sich schon um 1950 vehement für eine neue Siedlung in der Nähe des Lagers eingesetzt und am 5.6.1950 den Grundstein für die "Friedlandsiedlung" oder "Flüchtlings-Gartensiedlung" gelegt. Mit dem Aufbau dieser Siedlung leerte sich das Flüchtlingslager; 1959 lebten hier aber immer noch 1279 Personen. Sie fanden nach und nach eine neue Heimat in der neuen Siedlung und in umgebenden Wohngebieten.

Auch die evangelische Kirche musste reagieren. Im neuen Stadtteil Dachau-Ost konnte ein Bauplatz erworben und zunächst ein Pfarrhaus mit Betsaal im Erdgeschoss errichtet werden. Dieser Betsaal war die Nachfolge-Kirche der 1952 entstandenen Barackenkirche und erhielt deshalb auch deren Namen "Gnadenkirche". Dieser Bau konnte aber nur eine vorübergehende Lösung sein, weil der Betsaal für die wachsende Gemeinde viel zu klein war.

Mit der Grundsteinlegung am 21.10.1962 begann der Bau der neuen Gnadenkirche, der am 19.April 1964 mit der Einweihung beendet war.
Zugleich wurde die Gemeinde zur selbstständigen Pfarrei erhoben; bis dahin gehörte sie zur Gemeinde der Friedenskirche. Damals hatte die Pfarrei 2000 Mitglieder.
Zur Pfarrei gehören neben dem Stadtteil Dachau-Ost auch die Gemeinden in Hebertshausen und Röhrmoos. In Kleininzemoos bei Röhrmoos steht die kath.Kirche für evangelische Gottesdienste zur Verfügung. Seit 25.1.2004 gibt es auch einen Förderverein Evangelische Kirche in Röhrmoos", der sich um den Bau einer eigenen protestantischen Kirche in dieser Gemeinde bemüht.

Die Entwicklung der evangelischen Gemeinde in Dachau können Sie auf der Seite der ersten evangelischen Gemeinde, der Friedenskirche, nachlesen.

Die heutige Gnadenkirche wurde von Architekt Wilhelm v. Schildt (als Bauleiter) nach den Plänen des Architekten Hans Hessel errichtet. Sie besitzt ein sehr steiles Walmdach von 26 Metern Höhe. Der in das Kirchenschiff einschneidende Turm ragt wie eine Lanzenspitze 50 Meter hoch in den Himmel; der Turmhelm nimmt zwei Drittel der Gesamthöhe ein. "Walmdach und Turm verleihen dem Kirchengebäude einen mächtigen, hervorstechenden Ausdruck", schreibt H.G.Richardi.
Im Turm hängen vier, im Jahr 1963 von Karl Czudnochowsky in Erding gegossene und ein Jahr später gelieferte Glocken aus Kupfer-Zinn-Bronze (Tonfolge f'- as'- b'- c'').

Kirchenschiff und Turm sind "mit dem gleichen Deckungsmaterial (Eternit-Schieferplatten) belegt, um die äußere Geschlossenheit zu erreichen", wie Architekt Hessel erklärte.

Der 16 Meter breite und 20 Meter lange Innenraum mit den 400 Sitzplätzen (für
die insgesamt 3000 Gemeindemitglieder) wurde vom Münchner Kunstmaler Gerd Jähnke gestaltet.

Die sonst schmucklose, verschlämmte Wand wird durch dünnformatige Vormauerziegel belebt. Über dem Kirchenraum spannt sich eine freitragende Dachkonstruktion aus fünf hölzernen Bindern, an denen die Sparren der Dachhaut und der Holzdecke befestigt sind.

Das von Jähnke geschaffene Altarbild an der 16 Meter breiten und 6 Meter hohen Wand besitzt die Form eines großen Kreuzes und steht unter dem Generalthema "Einladung zum Abendmahl" nach Luk.14.
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Innenansicht Maria Himmelfahrt in Dachau

Wenn Sie das Hochaltarbild vergrößert sehen wollen: bitte hier klickenKrippeApostelfigur -zur Vergrößerung bitte klickenrechter Seitenaltar-zur Vergrößerung bitte klicken

In der Farbe herrscht Blau in verschiedenen Tönungen vor, die gut mit den Holztönen der Decke harmonieren. Blau ist auch die Farbe des Himmels und des Wassers.

Die Fenster hat Jähnke durch die Bleiaufteilung aufgelockert. Er brachte es in eine freie, an-und abschwellende Form, in Linien, die sich manchmal zu Knoten verbinden, verdicken und sich zum Altar hin häufen, wo sie sich schließlich zu Symbolen verdichten. Diese Linien sollen den Eindruck von Wegen mit einzelnen Stationen vermitteln: Stationen der Gnade, Wege des Heils. Die einen führen zum Kreuz Christi, unter dem die Kanzel steht; von ihr wird das Wort Gottes verkündet.
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Auf der gegenüberliegenden Seite, beim Taufstein, enden die Wege bei der Ausgießung des Heiligen Geistes.

Im Mai 1970 wurde von Ekkehard Simon eine neue Orgel mit 26 Registern eingebaut. Sie wird wegen ihrer meisterlichen Intonation und des Klangreichtums der 1733 Pfeifen allgemein gerühmt. Die Orgel könne "mit den besten Orgelinstrumenten in Bayern konkurrieren". Die 26 Register -das sind die verschiedenen Tonreihen - sind in vier getrennten Kästen untergebracht. ... mehr darüber...

In der Weihnachtszeit steht in der Kirche eine Krippe mit großen ungefassten Holzfiguren.


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Zur Pfarrei Dachau-Gnadenkirche gehören auch die Gemeinden in Hebertshausen und Röhrmoos. 2012 hatte sie 3025 Gemeindemitglieder.

Mehr über die Gremien der Pfarrei, die Gottesdienste und über sonstige Angebote erfahren Sie auf der Homepage der Gnadenkirche. Bitte klicken Sie hier...


Ausführliche Beschreibung
von Carola Horn

 

Die Einweihung der Gnadenkirche in Dachau-Ost fand am 19. April 1964 statt. Die Bauleitung hatte, unterstützt durch den Architekten von Schildt, der Architekt Dipl.Ing. Hans Hessel übernommen.
Seine Aufgabe war es, einen sakralen Raum zu entwerfen, in dem die inneren und äußeren Spannungen des Gottesdienstes zur Entfaltung kommen und gesteigert werden. Um die geistige Konzentration auf den Gottesdienst zu ermöglichen, war eine schlichte Konstruktion geplant.
Die Kernaufgabe war für Hans Hessel nicht die Einfügung des Gebäudes in die nähere und fernere Umgebung, auch nicht ein allein visuell eindrucksvoller Raum, sondern die Herstellung einer Harmonie zwischen Räumlichkeiten und gottesdienstlichem Geschehen.
Der Architekt versuchte, diesen Forderungen nachzukommen, indem er als grundrissliche Anlage ein Rechteck wählte. Dadurch wird der Kontakt der Gemeinde zu den Geschehnismittelpunkten, nämlich zum Altar, zur Kanzel, und zum Taufstein, durch die Raumkräfte hergestellt.

Doch kommt durch die Annäherung an das Quadrat und die einheitliche Ausführung und Behandlung von Wand- und Deckenflächen der Wille zum Ausdruck, dem Raum auch eine zentrierende Ausrichtung zu geben, da die Gemeinde den Stätten von Wort und Sakrament möglichst nahe sein soll. Die einzige Trennung zwischen dem Altar, flankiert von Taufstein und Kanzel, und der Gemeinde besteht in einer dreistufigen Erhöhung des Altarraumes, die jedoch nur der Hervorhebung dienen und nicht abgrenzen soll.

Der mächtige Turm schneidet in die Südwestecke des Kirchenschiffes ein, das ein Seitenverhältnis von 16 zu 20 m hat. In seinem Erdgeschoss liegt der Brautraum, im Obergeschoss neben der Empore ein Musikzimmer. Darüber befinden sich Instrumentenraum, Uhren- und Glockenstuben. Die hölzerne Empore ist als reine Musikempore für Chor und Orgel gedacht. Deshalb führt der Zugang zur Empore über ein separates Treppenhaus, das die Nordostecke des Rechteckes ausspart. Durch diesen Zugang und den Turmeinschnitt wurde ein Vorraum unter der Empore geschaffen, der als Andachtsraum dient und durch Glastür- und Wand den Blick auf den Altar und die Kanzel offen lässt. Der Zugang zur Kirche erfolgt über das in der Mittelachse gegenüber dem Altar gelegenen Hauptportal, ferner über ein Seitenportal zur Emporentreppe.

Ein flacher Baukörper, in dem Sakristei und Blumenraum untergebracht sind, verbindet das 1959 errichtete Pfarrhaus mit dem Kirchenschiff. Die städtebauliche Einordnung in die damals erst geplante umgebende Wohnbebauung zwang zu einer Hervorhebung der Gnadenkirche. Für den Architekten bestand nun das Problem darin, die verhältnismäßig kleine Kirche, mit ihren 400 Sitzplätzen, in ihrer Umgebung dominieren zu lassen und sie zum optischen Zentrum einer Gemeinde zu bilden.

Hans Hessel löste diese Frage durch ein sehr steiles Walmdach von 26 m Höhe und einen 50 m hohen Turm. Der Turmhelm nimmt 2/3 der Gesamthöhe ein, was dem Gebäude ebenfalls einen mächtigen, hervorstehenden Ausdruck verleiht. Natürlich sollte auch das Baumaterial mit der Konstruktion und dem Sinn und Zweck dieses Gebäudes harmonieren. Kirchenschiff und Turmbasis sind aus Ziegelsteinen gemauert.

Im Innenraum sind durch die verschlämmte Wand dünnformatige Ziegel sichtbar, die die sonst schmucklose Wand beleben. Über dem Kirchenschiff spannt sich eine freitragende Dachkonstruktion, die innen ganz mit Holz ausgelegt ist, während die Dachhaut, ebenso wie die Turmspitze, mit Eternit-Schieferplatten belegt wurde. Altar, Kanzel und Taufstein sind aus hellem, römischen Travertin angefertigt. Sie bilden den notwendigen, spannungsreichen Gegensatz zu den fast schwarzen Bodenbelägen aus Muschelkalk. Der harte, fast kalte Kontrast der weißen Wände zum dunklen Boden wird abgeschwächt durch das warme, freundliche Braun der Holzdecke.

Glasfenster

Den einzigen Schmuck der Kirche bilden die hochgelegenen Glasfenster und das große Altarbild. Dem Kunstmaler Gerd Jähnke wurde die künstlerische Ausgestaltung des Innenraumes übertragen. Er entschied sich in Übereinstimmung mit dem Architekten für eine helle Verglasung der Fenster, da sie die einzige Lichtquelle bilden. Die einzige Auflockerung der Glasflächen entsteht durch eine Bleiaufteilung, die sich in ungleichmäßig an- und abschwellenden Linien manchmal zu Knoten verdichten Lind sich zum Altar hin häufen. Dabei bleibt es jedem selbst überlassen, eine persönliche Interpretation dieser Darstellung zu finden.
So könnten diese sich zu Knoten verdichtenden Linien z. B. die Geschichte des Christentums wiedergeben. Noch zu Lebzeiten Jesu beschränkte sich die Zahl seiner Anhänger auf einige wenige, den Anfang bildete die Gemeinschaft der Jünger. Durch den Missionsauftrag wurde das Christentum immer weiter verbreitet, die Gemeinden vergrößerten und vermehrten sich. Dies ist durch die wachsende Zahl der Knotenpunkte versinnbildlicht. Die nie Abreißenden immer wieder zusammenströmenden und sich verbindenden Linien passen in diesen Zusammenhang: Sie stellen die Zusammenarbeit, die Verständigung und das Zusammenwirken der einzelnen Gemeinden dar.
Schon im Neuen Testament werden in den Briefen die tiefgehenden Beziehungen zwischen den einzelnen Gemeinden geschildert.

Auch die an- und abschwellende Stärke der Linien kann auf verschiedene Weise gedeutet werden. Vielleicht bedeuten sie die verschiedenen Stationen mit ihren Hochs und Tiefs auf dem Weg zur Bildung einer Gemeinde. Der Künstler jedenfalls, der dem Betrachter hier einen weiten Spielraum zur eigenen Urteilsbildung ließ, wollte durch seine Darstellung ganz allgemein nur den Eindruck von Wegen mit einzelnen Stationen vermitteln.


Altarwand

Die Altarwandgestaltung warf sicherlich die Frage auf, wie und wo die Malerei so eingesetzt werden sollte, daß sie die architektonische Situation unterstützt. Die verhältnismäßig gedrungene Wand, deren Höhe 6 m, die Breite aber 16 m misst, verlangt eine Komposition, die sich hinter dem Altar konzentriert und die Wand optisch in die Höhe drückt. Das Nächstliegendste, ein senkrechtes, farbiges Band, hätte sicherlich dieser Forderung entsprochen, doch der Künstler wollte offenbar eine Dreiteilung der Wand vermeiden.

Das unregelmäßige Kreuz, das die Grundform bildet, ergibt eine gute Lösung des Problems. Der Längsbalken verleiht der Wand optisch mehr Höhe, der Querbalken verhindert den Eindruck einer Dreiteilung.

Der kleine Maßstab der Komposition trägt ebenfalls zur Vergrößerung bei. Die Ausgestaltung der Kreuzform sollte im Bezug zu dem Namen der Kirche stehen.

Gerd Jähnke wählte deshalb als Thema die Einladung zum Empfang der Gnade Gottes. Zugrunde liegt Lukas 14, 16 - 24, das Gleichnis vom großen Abendmahl.

rechter Bildteil

Diese Bibelstelle hat sowohl einen vordergründigen, als auch hintergründigen Sinn. Das christliche Leben sollte nicht nur in der Erfüllung der "alltäglichen Pflichten" bestehen, sondern hier ist vielmehr die Einladung zum letzten Abendmahl gemeint, hier geht es also um die Ausrichtung des Lebens auf den Jüngsten Tag. Der Künstler ließ sich offenbar durch verschiedene Bibelstellen zu einer Weiterführung des Grundthemas inspirieren. Er setzte das Wasser als Symbol der Gnade und des Lebens. Gleich auf den ersten Blick erinnert die Wandmalerei an den Kubismus, bedingt durch den unregelmäßigen, eckigen Umriss und die Unterteilung in viele verschiedene, geometrische Formen innerhalb des Kreuzes. Die Spannung der geraden harten Linien wird unterbrochen von kreis- oder halbkreisförmigen Rundungen im Längsstreifen der Malerei.

Diese weichen Linien entstehen durch die zum Altar hin offene, sich auflösende Weltkugel, gleich darüber durch den kreisförmigen Hintergrund und den Heiligenschein, die ein Lamm umrahmen, und schließlich durch die halbkreisförmige Öffnung über dem Christus. Die Linien und Figuren überschneiden sich und geben so ein bewegtes, spannungsreiches Bild.

Der Inhalt der Darstellung wird klar, wenn man, vom Querbalken ausgehend, die Malerei von außen nach innen betrachtet.
Es geht um die Einladung zu einem Mahl, das ein reicher Mann für seine Freunde gibt. Der Bote ist schwebend dargestellt, um die besondere Einladung und den Bezug auf das Abendmahl zu unterstreichen.

Im rechten inneren Teil richtet nun der Bote seine Einladung an die Armen, Krüppel, Blinden und Verbrecher, die sich ihm zuwenden und deren Gestik zeigt, dass sie dankbar und aufgeschlossen sind.

Rechts außen schlägt ein Mann, der von seiner Frau erwartet wird, die Einladung ab. Er streckt seine Arme der Frau entgegen, die in einem Türrahmen steht, was sein Zuhause symbolisiert.


Links außen werden die Personen des Gleichnisses gezeigt, die sich entschuldigen lassen, weil sie sich um Feld und Vieh kümmern müssen. Auch sie wenden sich vom einladenden Boten ab und auch ihre Entschuldigungsgründe sind nur symbolisch durch zwei Tafeln dargestellt. Auf der einen befinden sich vereinfachte, stilisierte Kühe, auf der anderen wird Getreide angedeutet. Ebenso die Figurengruppe im linken inneren Teil, die mit Stacheldraht umgeben ist, was offensichtlich an die Gefangenen des ehemaligen KZ erinnern soll. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird durch eine Gestalt, die die Hände zum über allem thronenden Christus erhebt, auf den Mittelstreifen gelenkt.
Hier, im senkrechten Balken, wird nun die Bibelstelle Lukas 14 erläutert und vom nur Vordergründigen zur übertragenen Bedeutung des Gleichnisses geführt: Der Tisch des Mahles fehlt in der Malerei - er steht unten als Altar. Vom Christus herab zum Altar fließt das Wasser, als Symbol des Lebens. Es fließt durch eine sich auflösende (Welt-) Kugel, was für die irdische Vergänglichkeit steht. Doch diese Erde trägt den Weinstock und das Korn, das heißt, daß sie unsere leiblichen Bedürfnisse deckt, das beinhaltet aber gleichzeitig auch den Hinweis auf das Heilige Abendmahl. Der Christus im oberen Teil des Längsbalken steht als Krönung und Hintergrund des Gleichnisses über allen. In der Farbe herrscht ein kühles, beruhigendes blau in verschiedenen Klängen vor, die gut zu den Holztönen der Decke stehen und auch thematisch passen.

Blau ist die Farbe Gottes und des Wassers. so wird auch hier die Symbolik nicht außer Acht gelassen. Dagegen spiegelt der Ockerton der waagrechten Fläche die Wärme des Holzes wieder, gleichzeitig schließt dieser erdige Farbton das vordergründig Irdische des Gleichnisses ein. Die Figuren sind hauptsächlich im ockrigen Grundton gehalten, vereinzelte Grautöne und schwarze Linien unterstreichen höchstens die figürliche Komposition. Diese Farbigkeit bewirkt, daß der Querbalken gegenüber dem intensiv blauen Mittelstreifen im Hintergrund steht. Der Mittelstreifen wirkt eher unruhig durch die umfangreiche Farbpalette, die erweitert wird durch das weiße Lamm, dessen Wundmal das einzige Rot in der ganzen Malerei aufweist und dessen Hintergrund ein violettrötlicher Kreis bildet.

Einzelne "Farbtupfer" lockern das Gesamtbild auf, wie z.B. das zarte Grün der Weinreben links unten, das sich auch im Querbalken rechts und links außen wiederfindet, oder wie das warme Gelb der Heiligenscheine des Christus und des Lammes und das Ockergelb der Ähren rechts unten. Den Hintergrund der gesamten Malerei bilden verschiedene eckige Formen in unterschiedlichen Grautönen. Verwirklicht wurde das Altarbild durch Kalk-Kasein-Malerei.

Carola Horn

Diese ausführliche Beschreibung war eine Facharbeit im Leistungskurs Kunst am J.-Effner-Gymnasium, die die Schülerin Carola Horn der Gnadenkirche gewidmet hat. Pfarrer Melcher hat mir den Bericht freundlicherweise zur Veröffentlichung im Internet überlassen.

Der Kirchenvorraum hat seinen Schwerpunkt verlegt vom Andachtsraum zum Kommunikationsbereich für Gottesdienstbesucher. Information und Aktionen sollen hier vermehrt möglich werden. Einige Bankreihen vor dem Altar wurden entfernt, um Platz für besondere Gottesdienstprojekte zu gewinnen. Hierfür wurde ein Teppichbelag verlegt, der in der Farbe blau mit dem Altarbild korrespondieren soll. In Lauf vieler Jahre sind die Bäume um die Kirche so hoch gewachsen, dass sie den gesamten Bau freundlich einrahmen. Die Kirchturmuhr kann deshalb im Sommer nur von einigen Blickwinkeln aus eingesehen werden.

Axel Melcher, Pfarrer

 

Die Orgel der Gnadenkirche

Im Mai 1970 bekam die Gnadenkirche die neue Orgel. Der vielgefragte und hochangesehene Orgelbaumeister Ekkehard Simon aus Landshut hat uns ein vorzügliches Instrument gebaut, von dem der damalige Landes- kirchenmusikdirektor und Orgelsachverständige, Professor Friedrich Högner, schwärmte. Nicht nur saubere Schreinerarbeit und bestes Material in sorgfältiger Verarbeitung, sondern auch meisterliche Intonation und Klangreichtum rühmte er. Die Orgel könne "mit den besten Orgelinstrumenten in Bayern konkurrieren". Die 26 Register -das sind die verschiedenen Tonreihen - sind in vier getrennten Kästen untergebracht. Links sehen wir den "Pedalturm" mit den größten und tiefsten Tönen, den Baßtönen. In der Mitte oben und rechts außen ist das "Hauptwerk" mit den kräftigen, strahlenden Tönen untergebracht.
In der Mitte unten steht schließlich das "Schwellwerk" mit den Jalousien. Seine weichen, farbenreichen und glitzernden Töne können an- und abschwellen, also stufenlos lauter und leiser werden. Unter den Organisten im Münchner Raum ist diese herrliche Orgel bekannt. Daher gibt es nie Schwierigkeiten, einen guten Organisten zum Spiel im Gottesdienst oder im Konzert zu finden.
Mit diesem schönen Instrument werden wir im Lob Gottes nicht nur unterstützt, sondern auch daran gemahnt, daß die Musik der Orgel zur lebendigen dazugehört wie das Amen - nicht etwa ein angenehmer Luxus bei der Feier des Gottesdienstes, sondern unverzichtbarer Bestandteil. "Lobt Gott mit Zimbeln und Harfen, mit Trompeten und Posaunen . . . . !" - also mit den vielfältigen Stimmen der Orgel , ist unser Auftrag; und das Herz der andächtigen Erwachsenen, wie des neugeborenen Kindes bei der Taufe, werden durch die Töne der Orgel auf eine Art und Weise erreicht, wie es durch Worte nicht geschehen kann. Dafür können wir unsere Orgel nicht genug wertschätzen.

Christian Hoerburger

(die genaue Beschreibung der Orgelregister können Sie der Orgelseite der Pfarrei entnehmen; bitte hier klicken...)

Hans Schertl

Quellen:
A. Melcher, "Gestatten: Gnadenkirche Dachau, ein kleiner Kirchenführer"
Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
Pfarramt Gnadenkirche: 25 Jahre Gnadenkirche
Hans-Günter Richardi, 40 Jahre Gnadenkirche, 2004
Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
Rosi Seifert, Dachauer Nachrichten vom 2. November 2012 (Name Gnadenk)
Hans-Günter Richardi, Gründungsgeschichte der Dachauer Gnadenkirche im Wohnlager Dachau-Ost, 2005

12 Bilder: Hans Schertl (11), Pfarrei (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.3.2018