zur Landkreiskarte                 Kirchen in der Gemeinde Pfaffenhofen


Loretokapelle in BURGSTALL


Beschreibung

Burgstall liegt nur wenige Meter hinter der Landkreisgrenze. Es gehört kirchlich zur Pfarrei Egenburg im Lkr.Dachau und politisch zur Gemeinde Ried im Lkr. Aichach.

Die Besonderheit des Kirchleins liegt zum einen darin, dass es als sog. Loretohaus mit besonderen Formanforderungen erbaut wurde; zum andern verdankt es seine Entstehung einem Ruhestandspfarrer, der es aus seiner Privatschatulle an seinem Alterssitz finanziert hat.

Geschichte

1675 wurde der bekannteste Sohn der Ortschaft, Markus Friedl, als ältestes Kind des Amplbauern geboren.

Nach dem Theologiestudium und der Priesterweihe (1706) wurde er Pfarrer in Purk (bis 1707), Beuern (1707-1711)
u. Moorenweis (1711-1742). Höhepunkt seines beruflichen Wirkens war die Tätigkeit als erster Regens (= Leiter) des neu gegründeten Priesterseminars zu Pfaffenhausen, in dem die Theologen des Bistums Augsburg ausgebildet wurden. Friedl war Doktor der beiden Rechte; er hatte in den Fächern Theologie und Recht promoviert.

Seine selbstlose Art zeigte sich beim Bau einer neuen Pfarr-kirche in Moorenweis, für die er sein nicht unbeträchtliches Privatvermögen einsetzte. Als das Geld ausging, fuhr er nach Rom zum Papst, und bat um finanzielle Hilfe von höch-ster Stelle. Wie zu erwarten war, kam er mit leeren Händen zurück. Darauf
hin überredete er seine Mutter, auch ihr Ver-mögen für den Kirchenbau in Moorenweis zur Verfügung zu stellen.


1744 wechselte Dr.Friedl von Moorenweis zum Priesterseminar. Dort fasste er nach einiger Zeit den Entschluss, in seinem Geburtsort Burgstall eine Kapelle zu bauen und einen Seelsorge-posten (Kuratie) zu stiften. Zur Kuratie sollten Burgstall, Eis-mannsberg, Zillenberg, Holzburg, Miesberg, Hergertswiesen, Ganswies, Oberumbach, Stockach und Weitenried gehören.

Aus der Kuratie wurde nichts, doch die neue Kapelle in Burgstall nahm 1753 tatsächlich Gestalt an. "Im selben Jahre" so heißt es, "legte er die Regensstelle in Pfaffenhausen nieder und wählte zu seinem Aufenthalte, auf ein bewegtes Leben sich nach Muße sehnend, seinen Geburtsort Burgstall".

Für die neue Kapelle wurde dem pensionierten Geistlichen ein Gemeindegrund zur Verfügung gestellt und zwar an der Stelle, an der bereits eine hölzerne Kapelle stand. Die wurde abgetragen. Das neue Gotteshaus aus Stein erhielt die Form des "Heiligen Hauses zu Loreto". Das war im 17.Jh. verbreitet (oftmals nach der Rückkehr adliger Pilger von einer Loretowallfahrt). Ein Kirchturm war für eine solche Kapelle nicht üblich und in Burgstall wohl auch beim Neubau noch nicht vorhanden.
  Hinweis: Das Heilige Haus von Loreto gilt als das Haus der Gottesmutter, in dem Maria in Nazaret gelebt hat. Dort bestand das Haus aus einer Felsgrotte und einem vor die Grotte gebauten Haus aus Steinen. Der Legende nach wurde das Steinhaus der Maria durch Engel auf wundersame Weise nach Recanati in Italien eingeflogen. Und zwar in einen Lorbeerhain - daher der Name Loreto. Tatsächlich dürfte das Haus von einer adelige Familie namens Angeli, (italienisch: Engel), die damals über Epirus in Griechenland herrschte, mit einem Schiff der Kreuzfahrer über das Meer nach Loreto gebracht worden sein. Vergleiche des Hauses mit der Grotte in Nazareth ergaben, dass Grotte und Haus exakt zusammenpassen.

Der Kapellenbau ging rasch voran. Friedl erhielt am 28. September 1753 die bischöfliche Erlaubnis zur Messfeier in dem neu gebauten Gotteshaus und weihte es einige Tage später selbst ein.

Neben die Loretokapelle baute er sich als Wohnung ein hölzernes Häuschen, Klause genannt, "an welches er ein 45 Fuß (14 Meter) hohes Glockenthürmchen von Stein fügen ließ (es ist der heutige Kirchturm). Friedl lebte hier nach Art eines Einsiedlers, hielt Gottesdienste für die Burgstaller Bewohner und unterrichtete die Kinder der Umgebung.
Sein Bestreben war, "der Verkümmerung der Seelsorge und des religiösen Lebens in seiner Heimat entgegenzutreten", deren Grund er in der großen Entfernung zur Pfarrkirche sah.

Loreto-Haus
Diese segensreiche Seelsorgstätigkeit dauerte leider nicht lange. Schon ein Jahr darauf, am 20. Nov. 1754,
rief Gott seinen treuen Diener zu sich in die Ewigkeit. Sein Grab liegt in der Kapelle hinter dem Altar.
Der Grabstein ist an der Ostwand der Kapelle noch zu sehen. Der in Latein geschriebene Text benennt ihn in elegischen Worten als "Sonne in düsterer Zeit". Er enthält das Geburts- und das Todesjahr in Form zweier Chronogramme. Das sind lateinische Worte, bei denen alle darin vorkommenden Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind (I, V, X, L, C, D, M), zusammengezählt werden.
Wenn Sie die Texte auf dem Grabstein lesen möchten, klicken Sie hier...

Dr.Friedl hatte seinen Nachlass in Höhe von über 5000 Gulden testamentarisch der Loretokapelle in Burgstall vermacht. Doch die Testamentsvollstrecker zweigten viel Geld für andere Zwecke ab.
Als die Klause von Dr.Friedl baufällig geworden war, hat man sie 1770 abgerissen; nur der Steinturm wurde als Kirchturm wieder errichtet. Bei der Säkularisation 1803 sollte die Kapelle in Burgstall als überflüssiges Gotteshaus abgebrochen und die Steine für den Kirchenbau in Baindlkirchen verwendet werden. Doch die Bewohner von Burgstall kauften von ihrem Geld Steine für die Kirche in Baindlkirchen und konnten so ihr Gotteshaus vor dem Abriss schützen.

Baubeschreibung

Die Kapelle ist aus Bruchsteinen in Sichtmauerwerk aufgeführt.

Wenn sich die Planzeichner für Burgstall an die für Loretokapellen vorgeschriebenen Maße gehalten haben, müsste der Kirchen-bau folgende Größe haben:
Länge 9,25 m, Breite 4,1 m und Höhe 5 m.
Die Kapelle besitzt als "Loretohaus" nur einen Raum ohne ausgeschiedenen Chor.
Er schließt gerade. Die Decke ist vorschrifts-mäßig tonnenförmig gewölbt.

Der um 1770 errichtete Turm besitzt vier Stockwerke mit drei Traufgesimsen. Er ist etwas in das Mauerwerk der Kapelle einge-lassen. Die drei unteren Stockwerke sind viereckig, das oberste, mit Schalllöchern versehene Stockwerk ist achteckig. Gekrönt wird der Turm von einer aus 12 Segmenten bestehenden Zwiebelhaube.
Eine Kirchturmuhr ist nicht vorhanden.
Über Glocken ist mir nichts bekannt.

Wenn sie das Bild der hl. Barbara genauer betrachten wollen, bitte klickenWenn sie das Bild des hl. Stefanus genauer betrachten wollen, bitte klickenWenn sie das Bild der hl. Katharina genauer betrachten wollen, bitte klickenWenn sie das Bild des hl. Leonhard genauer betrachten wollen, bitte klickenzur vergrößerten Ansicht der Altarfigur bitte klickenKreuzwegbilder

Üblicherweise spendet in Loretokirchen nur ein einziges kleines Fenster, das "Engelsfenster", etwas Licht. Durch dieses Fenster betrat der Engel der Legende zufolge den Raum und erschien Maria.
Hier in Burgstall befindet sich tatsächlich nur ein Fenster (wenn man das kleine Rundfenster über dem Eingang unberücksichtigt lässt), wenn es auch nicht so klein ist, wie vermutet. Vielleicht ist das Engelsfenster auch das erwähnte kleine Rundfenster über dem Eingang und das große Fenster wurde in späterer Zeit hinzugefügt.

Innenausstattung

Blickfang im Inneren der Kapelle ist der aus späterer Zeit stammende Schreinaltar mit einer Christusfigur in der Mittelnische und vier Gemälden auf den beiden Seitentafeln. Dargestellt sind:
Auf den oberen Tafeln zwei heilige Frauen, die beiden Nothelferinnen St.Katharina und St.Barbara. Die unteren Tafeln zeigen zwei heilige Männer, St.Leonhard und St.Stephanus.


St.Katharina
St.Katharina wird als Königstochter mit Krone dargestellt. Bekleidet ist sie mit dem blutroten Gewand der Märtyrerin. In ihren Händen hält sie die Attribute ihres Martyriums, das Marterrad und das Schwert. Der Palmzweig ergänzt die Symbole des Martyriums.
Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Über-
  Auch die Prinzessin Barbara ist mit dem roten Märtyrermantel bekleidet. Sie hält einen Kelch mit Hostie in der Hand. An ihrer Seite steht ein Turm.
Barbara ist eine legendäre Person. Sie soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia,während einer län-geren Geschäftsreise in einen Turm ge-schlossen, worden sein, um sie am Heiraten

St.Barbara
zeugungskraft ausgepeitscht, gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre) zugerechnet.
Gedenktag: 25. November
  zu hindern. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, enthauptete er sie. Der Kelch in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin.
Gedenktag: 4.Dezember
         

St.Leonhard
St.Leonhard darf in einer bayerischen Dorf-kirche nicht fehlen. Der in ein Abtsgewand ge-kleidete Heilige wird mit den Attributen Rind und Ketten dargestellt.
Leonhard lebte um das Jahr 550 als Einsiedler und später als Abt eines von ihm gegründeten Klosters in Noblat/ Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. die Freilassung.
Der rote Mantel von St.Stephanus weist zusammen mit der Märtyrerpalme darauf hin, dass der Heilige der erste Märtyrer des Christentums war. Die Steine auf dem Evan-gelienbuch zeigen die Art des Martyriums an. Stephanus war einer der Diakone der ur-christlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig

St.Stephanus

Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskran-ken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Nach der Reformation wurde er bei uns Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. In Bayern erreichte die Leonhards-verehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt.
Gedenktag: 6.November

waren. Durch eine seiner Predigten geriet er mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Stephanus wurde als Gotteslästerer verurteilt und von der aufge-brachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem.
Gedenktag: 26.Dezember


Die Christusfigur in der Mittelnische ist von einem großen Aureole (lat. aureolus = goldgeschmückt, herrlich) umgeben. Es ist die besondere Form des Heiligenscheins, der die ganze Gestalt der dargestellten Person als Strahlenkranz umschließt und damit die Heiligkeit unterstreichen soll. Die Altarfigur ist eine Herz-Jesu-Darstellung. Mit der linken Hand weist Jesus auf sein mit einer Dornenkrone umwundenes Herz.

Eine schöne Muttergottesfigur mit dem segnenden Kind auf dem Arm steht darunter.

Die große rote Prozessionsfahne bringt Farbe in den Kirchenraum. Auch sie ist dem Gedenken an das Herz-Jesu-Fest gewidmet.


             

Ein Kruzifix ist über dem Altar an der Wand befestigt, ein weiteres steht als Prozessionskreuz im Raum.

An der Wand hängen die 14 Kreuzweg-Stationsbilder.

Hans Schertl

Quellen:
Pfarrchronik Sittenbach
Aufzeichnung von Pfarrer Brachetti zu Pfarrer Dr. M. Friedl von Burgstall, Chronik Egenburg, 2014

10 Bilder: Horst Lachmann (8), Hans Schertl (2)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.3.2018

Grabstein von Dr. Markus Friedl

Parva haec fossa capit virum, in quo omnia magna, cujus nomen ob zelum ac scientiam Romae incluaruit. Fuit is pl.r.ac cl. D. Marcus Fridl, SS. Th. et J.u.C., in Burk, Bayrn ac Mohrnweis par. et cam. I.Regens Pfaffenh., sacelli hujus fundator. Postquam etiam inter nubila semper effulsit, hic tandem, eheu, 12.Kal.Dec.
SoL Iste In Morte oCCIDIt. (1754) VbI orIens LaetantI MVnDo ILLvXIt. (1675).

Übersetzung: Diese kleine Grab birgt einen Mann, an dem alles groß war, daß sein Name ob seines Eifers und wegen seiner Wissenschaft auch in Rom wohlbekannt war. Dieser war Markus Fridl, Doktor der heiligen Theologie und beider Rechte, Pfarrer und Kammerer in Purk, in Beuern und Moorenweis und erster Regens in Pfaffenhausen, welches er gegründet hat. Nachdem er auch in düsterer Zeit immer geleuchtet hat, möge er hier seinen Frieden haben. Diese Sonne ging mit seinem Tode 1754 unter, nachdem sie 1675 (mit seiner Geburt) anfing der Welt zu leuchten und sie zu erfreuen .

Chronogramme:
SoL Iste In Morte oCCIDIt. (1x M =1000; 1xD=500; 2xC=400; 1xL=50, 4xI=4 - ergibt 1754)
VbI orIens LaetantI MVnDo ILLvXIt. (1xM=1000; 1xD=500; 3xL=150 1xX=10, 2xV=10, 5xI=5  - ergibt 1675)