Bergkirchener Pfarrer
Josef Oberlinner
Pfarrer von
1936-1949

Pfarrer Oberlinner kam von Puch bei Fürstenfeldbruck. Er hatte es als erklärter Gegner der Nazis und Intimfeind des Ortsgruppenleiters während seiner Zeit in Bergkirchen schwer. Er war aber auch -Berichten nach- selbst eine schwierige Persönlichkeit. Über die von ihm durchgeführte Renovierung der Pfarrkirche von 1937 gibt es interessante Tagebucheintragung . ...mehr dazu hier...

Ansprach zum 40.Jahrtag der Priesterweihe (1948)
Josef Oberlinner Ein Sohn des Chiemgaues. Seine Wiege stand in Halfing. 1883, am 20. November kam er als Sohn eines ehrbaren Schusters zur Welt. Nach dem üblichen Studienlehrgang, der über Scheyern und Freising führte, wurde er 1908 zum Priester geweiht. Er steht also bereits 40 Jahre im Dienste des Herrn.
Zu seinem Jubeltage, den er am 04. Juli in der von ihm restaurierten Pfarrkirche in Bergkirchen feierlich begehen will, seien ihm diese Zeilen als Chronik seiner ihm vom Bischof anvertrauten Kirche in herzlicher Freundschaft gewidmet. All die Stunden, die ich im Kreise Herrn Pfarrer Oberlinners im Pfarrhof von Bergkirchen verleben konnte, bleiben mir in steter Erinnerung. Mit Herz und Seele hängt er an seiner Heimat. Überall im Pfarrhaus begegnet einem der traute Chiemsee. Herr Pfarrer Oberlinner, im Nebenberuf -soweit es die Seelsorge zulässt- passionierter Maler, sucht seine Lieblingsmotive nur am Chiemsee. In jedem Zimmer seines Hauses grüßt der massive Turm von Frauenwörth von der Wand herunter. Von seinen langen Priesterjahren verlebte Herr Pfarrer Oberlinner mehrere Jahre als Seelsorger und Pfarrherr von Chieming und Übersee. Später ging er aus gesundheitlichen Gründen mehr ins bayer. Flachland heraus und kam als Expositus von Puch in der Pfarrei Fürstenfeldbruck als Pfarrer 1936 nach Bergkirchen.
Die schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre haben seiner Gesundheit ziemlich zugesetzt. Trotzdem ist er stets der freundliche, liebevolle, gütige Pfarrherr, der für alle, die bei ihm anklopfen, das richtige Wort findet.
(Diese letzte Bewertung als liebevoller und gütiger Pfarrherr, wurde, wie der spätere 2.Bürgermeister Michael Krotzinger mitteilte, keineswegs von allen Bürgern geteilt).
Tiefe Wunden hat der 2. Weltkrieg geschlagen. Viele seiner Pfarrkinder sind draußen geblieben im Feindesland, tot oder vermisst. Von den 1656 Seelen, die seine Pfarrei in diesen Tagen der Chronikabfassung zählt, sind allein 540 Flüchtlinge. Bereitwillig hat Pfarrer Oberlinner auch die Türe zum Priesterhaus geöffnet und mancher Familie Einlass und neue Heimat verschafft.
Noch in voller Rüstigkeit hat er beim Antritt seines Amtes zum 200jährigen Jubiläum seines Gotteshauses die Kirche in neuem Kleide erstehen lassen. Jetzt 12 Jahre später, beschwert von Kummer und Sorgen, nach langen Kriegsjahren, geplagt von einem heimtückischen Herzleiden, konnte er mit vieler Freude den Ablauf einer äußerst gut besuchten Volksmission im Monat Mai erleben, die von drei Oblaten-Patres aus München mit Erfolg durchgeführt worden war. Und nun möge der Jubilar frohen Herzens am 40zigsten Jahrestag seiner Priesterweihe an den Altar treten und Gott, dem Herrn, seinen Dank aussprechen. Und der Chronist kann nur den einen, gut gemeinten Wusch aussprechen, dies auch wohl im Namen der ganzen Gemeinde: Ad multos Annos!

Auszug aus der Chronik von Burghart Josef über Bergkirchen aus dem Jahr 1948
Dachauer Nachrichten vom 15.1.2013

Die Renovierung der Pfarrkirche Bergkirchen 1937
Wie es dazu kam!

Die Pfarrkirche Bergkirchen feierte am 12.Sept. 1937 ihr 200-jähriges Bestehen. Der damalige Pfarrer Oberlinner war der Auffassung, das sei ein guter Anlass, die Kirche vorher zu renovieren und auf Hochglanz zu bringen. Von staatlicher Seite war im Dritten Reich keine große Hilfe zu erwarten. Die Kosten mussten zum großen Teil die Gläubigen selbst tragen. Insbesondere die großen, vermögenden Bauern waren hier gefragt. Über diese Vorgespräche, die die Stimmung für die Renovierung in der Gemeinde auszuloten versuchten, berichtet das Tagebuch von Pfarrer Oberlinner, das Frau Bortenschlager beim Ausräumen des Pfarrhofs im Frühjahr 2013 gefunden hat, folgendes:

"Ein Vierteljahr des Beobachtens war vergangen. Dann erfolgte das erste Vortasten über die Möglichkeit einer Restaurierung, über die Stimmung in der Pfarrgemeinde für oder gegen das Werk. Eine erste Aussprache erfolgte im November 1936 mit dem Plabstbauer Simon Schwarz. Auf meine erste Anregung hin lautete sein Urteil: ‚Herr Pfarrer, das wird kaum gehen! Wir haben heuer eine schlechte Ernte gehabt und übrigens die Kirche wird sicher an die 20000 Mark kosten. Das können wir nicht aufbringen!‘ Ich korrigierte diese Ansicht und sagte ihm, dass wohl nur, nach einem bereits eingelaufenen Kostenvoranschlag der Fa. Eixenberger München, ein Betrag von 10 – 12000 Mark in Frage komme. Darauf ein erleichterndes Aufatmen! ‘Ja, dann kanns schon gehen!’ Klipp und klar lege ich ihm dann auseinander: ‘Es geht nur, wenn die Großbauern auch groß geben! Wenn ein Großbauer je einen Seitenaltar nimmt und zwei oder drei miteinander den Hochaltar, dann kann man anfangen’ ‘Ja, den nehm dann ich!’ sagte der Plabst. Ich bin aufs Höchste überrascht. So leicht hatte ich es mir doch nicht vorgestellt!
Am nächsten Tag geht der Plabst gleich herum mit mir zu ein paar anderen Großbauern: Heitmeier, Scharl, Mangmutter aus Facha den Hackerbauer Haas nehme ich mir selbst vor und innerhalb von acht Tagen waren an 8.000.Mark beisammen. Damit war die Sache gewonnen! Der Start war gelungen. Freilich waren da und dort auch ‘Nachhilfen’ notwendig. Als ich den Hacker für die Sache gewinnen musste und ihm sagte, dass er den JohannesNepomukAltar, Namenspatron, nehmen und dafür einen Tausender opfern möchte, da entfuhr es ihm: ‘Hoho so viel!’ – ‘Ja, so viel’, musste ich ihm bedeuten und er sah es ein. Als ich und der Plabst den Scharl ‘erobern’ mussten, da stießen wir auch zuerst auf Bedenken, aber die unvergleichlich gute Scharlbäuerin [Magdalena Märkl] sekundierte uns lebhaft gegen ihren Bauern und so gewannen wir auch hier das Spiel! Der liebe Herrgott segnete sichtlich unser Bemühen um sein heiliges Haus. Am 18. November traf ein zweiter Kostenvoranschlag ein und so einer nach dem anderen. Ich kannte Eixenberger von Puch her und er kam auf meinen Vorschlag hin zum Zug. Inzwischen gingen die vorbereitenden Schreiben und Gesuche an Landratsamt, Regierung, Erzb. Ordinariat und Landesamt für Denkmalspflege. Die Erzb. Finanzkammer bzw. der Diözesansteuerverband wurde mit einem Gesuch um Zuschusss angegangen".

Recherchiert von Inge Bortenschlager u. Hubert Eberl

 

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